Card Games im digitalen Zeitalter

Der ein oder andere unter euch mag sich noch an Zeiten erinnern, wo man zumeist rechteckige Pappkarten in bestimmter Anordnung auf einen sogenannten Tisch gelegt hat. Heute wird so ein Tisch eher als Fußablage oder Podest für den Bildschirm genutzt. Einhergehend stand der soziale Treff mit Freunden im Mittelpunkt. Welche Verschiebung die Digitalisierung mit sich bringt, können wir am Beispiel von Might and Magic: Duel of Champions, Hearthstone, Solforge usw. betrachten.

Der Typus Kartenspieler erfuhr ungeachtet von der Duellsituation eine soziale Integration zu einer Gruppe von „Kartenlegern“ oder „-mischlern“ (Definition für Spieler die entweder ruhig ihre Karten beobachten oder ein anhaltendes Mischen vornehmen, deren Bedeutung in der digitalen Welt, abhängig vom gewählten Card Game weniger Betrachtung finden). Verallgemeinert man diese Beobachtung zur Tatsache, dass feste regelmäßige Termine eingerichtet wurden, in denen man sich trifft, so kann man dies direkt für die Sozialisation in einer Online-Community anwenden. Sicherlich mag man denken, dass Kommunikation über „Skype“ bzw. „Teamspeak“ das reale Leben nicht ersetzen kann, dennoch gibt es einem das gewisse Gefühl an Zusammengehörigkeit. So kann man bekannte Phasen des Deckbaus sowie –testens unabhängig von den festgelegten Terminen, ja sogar zu den ungewöhnlichsten Zeiten (unter der Voraussetzung, dass der „Gegenüber“, an der anderen Seite der Leitung dazu bereit ist) vornehmen.

Die Regelbasis sowie deren Einhaltung ist Dreh- und Angelpunkt für die Organisation von großen Ereignissen. Vor allem im analogen Zeitalter, auch bekannt als reales Leben, kommt man nicht umher, dass Verantwortliche gefunden werden müssen, um bestimmte Auslegungen und strittige Situationen zu klären. Mit dem Einzug digitaler Spielegelände erfolgt ebenso die Implementierung (Festlegung der Regeln über die Programmierung des gewählten Spieles und Ausschluss falscher Möglichkeiten, damit nur entsprechend „richtige“ Aktionen ermöglicht werden) fester Regeln zur Minimierung von Problemen. Weitergehend übernimmt zum Beispiel Duel of Champions intern die Organisation von 8-Mann Turnieren und macht zu Teilen Organisatoren mit diversen Werkzeugen zur Ausrichtung obsolet. Aber diese feste Regelbasis nimmt den experimentierfreudigen Spieler ebenso den Spaß für Ereignisse wie Trink World of Warcraft TCG (Eine Variante bei der mit Ableben des Helden wahlweise ein Shot oder ein Glas Bier getrunken wird und folglich der Held wieder belebt wird durch die heilende Wirkung des getrunkenen Gebräus).

Ein abschließender Faktor soll die eigene Kartensammlung darstellen, die mit der Digitalisierung an Schönheit verlieren mag. Bei realen Kartenspielen besitzt ein jeder Unmengen an Ordnern in denen akribisch die eigene Sammlung aufbewahrt wird, um einerseits den sogenannten „Mint“-Status zu erhalten (Definition für den Zustand von Karten, der „frisch aus der Packung gezogen“ entspricht. Kurz: ohne jeglichen Schaden) und andererseits andere leichter neidisch werden zu lassen. Aber möchte denn jeder die Unmengen an Gewicht zu den regelmäßigen Treffen mitnehmen, wenn neben diesem noch der Platzmangel hinzukommt? Sicherlich besitzen die realen Karten einen anderen Wert, aber ist es nicht ebenso schwieriger unter einem Berg von denen genau die Gesuchte zu finden, vor allem wenn es im digitalen Leben Strg+F gibt? Ebenso soll aber nicht vernachlässigt werden, dass so ziemlich jeder reale Karten gegenüber einer Server-basierten Sammlung immer den Vorrang geben wird, da selbst bei Ausfall oder Abschaltung die Karten in Ordner vorhanden bleiben. Wobei eine nie alternde digitale Sammlung dem gegenüber steht.

Es gilt somit die Tugenden aus beiden Generationen zu schätzen, die wie alles auf der Welt von Vor- und Nachteilen geprägt sind (nur eben verschoben). Aber eines werden beide immer gleich haben, dass eine starke Community gebraucht wird, die nur so stark ist, wie ihr schwächstes Glied. Regelmäßige Treffen im digitalen wie analogen Leben werden weiterhin für Zusammenhalt sorgen, besonders weil eben scheinbar unüberwindbare Entfernungen im Online-Zeitalter wie ein Katzensprung wirken. Denn nur in Gemeinschaft genießt man ein Card Games erst so richtig!

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